Haltung und Zucht von afrikanischen Rosenkäfern

Käfer allgemein

 

Die Käfer (Coleoptera) bilden mit ihren über 350.000 beschriebenen Vertretern die Artenreichste Gruppe im Tierreich, und es werden immer noch jedes Jahr neue Arten beschrieb-en. Sie sind auf der ganzen Welt, mit Ausnahme der Pole, verbreitet. In Mitteleuropa sind es ca. 8000 Arten. Die ältesten fossilen Funde sind um die 265 Mio. Jahre alt. Die Größten unter ihnen wie z.B. Dynastes hercules werden bis zu 200 mm lang, die Schwersten darunter Goliathus goliathus erreichen bis zu ca. 100g. Somit sind einige Arten wahre Riesen unter den Insekten.

Die äußere Hülle eines Käfers besteht aus Chitin- ähnlichem Material und schützt die innenliegenden Weichteile. Und genau das ist das Erfolgsrezept dieser äußerst erfolgreichen Tiergruppe. Wenn man das auf uns Menschen umlegt ist das so als würden wir unser Skelett außen tragen. Dieses außen getragene Skelett dient den Käfern natürlich zum Schutz vor Angreifern, ist der Grund dafür das fertige Käfer nicht mehr wachsen und ist ausschlaggebend für  ihr charakteristisches Äußeres. Kaum eine Art gleicht der Anderen.                                                                                                                

Von imposanten Kopfhörnern die viele Arten der Riesenkäfer (Dynastiden) ausgebildet haben, über die verschiedensten Färbungen und Muster bis hin zu bizarren Köperformen hat die Ordnung der Käfer von allem was zu bieten, und davon reichlich.                                                                                                                             

Wie alle Insekten folgt der Körperbau dem grundsätzlichen Körperbau der Insekten. Er besteht aus 3 Abschnitten nämlich Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Die meisten Käfer sind mit zwei Paar Flügeln ausgestattet. Wobei ein aus Chitin bestehendes Paar Flügel, die sogenannten Deckflügel (Elytren), das darunter liegende Paar Flügel die zum fliegen benutzt werden schützt. Bei einigen Arten die aufgrund ihrer Lebensweise keine Flügel mehr brauchen sind die Deckflügel zusammengewachsen.

Auf ihrem Speiseplan steht von Obst über verrottendes Pflanzenmaterial bis hin zu Fleisch je nach Art so ziemlich Alles.

Käfer durchlaufen in ihrer Entwicklung mehrere Stadien bis sie zum fertigen Käfer, dem so genannten Imago heran gewachsen sind. Die Weibchen legen Eier aus denen Larven schlüpfen. Als Larven durchlaufen sie 3 Stadien (als L1, L2 & L3 bezeichnet) bis sie sich in einem Kokon verpuppen. Im Kokon wird zuerst aus der Larve eine Puppe, bevor diese als Käfer den Kokon verlässt.

E. gralli umbrovittata Gruppe / Foto: Matthias Seidel

Haltung und Zucht von afrikanischen Rosenkäfern

 

Haltung und Zucht stellen bei der richtigen Vorbereitung bei den meisten Arten kein Problem mehr dar. Auch Arten die bis vor einigen Jahren noch als unzüchtbar galten, werden mittlerweile dank dem Engagement vieler Züchter und ein paar Innovationen aus Japan, wo die Käferzucht quasi Volkssport ist, in ange-messener Stückzahl nachgezüchtet. Meist handelt es sich um Arten die entweder den Rosenkäfern (Centoniden), Riesenkäfern oder Hirschkäfern angehören.

Für den Einstieg in die Käferzucht empfehle ich afrikanische Rosenkäfer, da diese zum einen je nach Art recht günstig in der Anschaffung sind und zum anderen meist auch nicht sehr anspruchsvoll sind was die Haltung und Nachzucht angeht.                                                                                                                                           

Aus diesem Grund werden wir uns auch als erstes mit der Haltung und Zucht von afrikanischen Rosenkäfern befassen.

 

Zuchtvorbereitungen

Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Zucht ist die optimale Aufzucht der Larven, denn egal ob man sich dazu entscheidet Larven zu kaufen oder gleich fertige Imagines, früher oder später hat man dann doch Larven zu versorgen. Hier kommt das Thema Larvensubstrat ins Spiel, ein Thema das jeden der sich mit der Zucht von Käfern beschäftigt von Anfang bis Ende begleiten wird. Der Einfachheit halber fangen wir mit dem``Grundrezept`` an, auf welches sich dann weiter aufbauen lässt. Die einfachste Substrat-Zusammensetzung ist Laubwaldhumus (LWH) und weißfaules Holz (WFH) in einem Verhältnis von 90% LWH und 10% WFH. Mit dieser Mischung lassen sich die meisten Arten erfolgreich züchten. Da ich selbst in der Zeit in der ich mich mit Käfern befasse schon unzählige Erklärungen, sowohl für LWH als auch für WFH gehört und gelesen habe, habe ich mich für die meiner Meinung nach besten Erklärungen entschieden.

LWH ist die Schicht Laub vom Vorjahr die sich bereits in einem fortgeschrittenem Zersetzungsstadium befindet. Meisten ist diese Laubschicht sehr dunkel und schmierig.

 

WFH ist Holz das von weißfäule Pilzen zersetzt ist. Der Pilz baut das im Holz vorhandene Lignin ab wobei die Zellulose die den Larven als Nahrung dient erhalten bleibt. Man erkennt es an der hellen beige- weißen Färbung. Es hat den richtigen Zersetzungs-grad erreicht wenn man es leicht mit den Fingern zerbröseln kann, und nach Pilz riecht.

Wichtig beim Sammeln von Substrat ist, das man nur ``Material`` von Laubbäumen einsammelt, Nadelholz ist durch die enthaltenen Öle für die Käferzucht unbrauchbar da es auf die meisten Arten toxisch  wirkt.

Das gesammelte Substrat muss dann zerkleinert werden. Zum zerkleinern eignen sich für kleine Mengen Küchengeräte wie Multichopper, werden größere Mengen Substrat benötigt empfiehlt sich die Anschaffung eines Gartenhäckslers und eines Laubsaugers mit Häckselfunktion. Das Substrat wird dann vor dem einbringen in die Box angefeuchtet wenn es zu trocken ist. Für die meisten afrikanischen Rosenkäfer hat das Substrat die optimale Feuchtigkeit wenn es kurz nachdem man es zusammendrückt wieder ``zerbröselt´´. Mit dem fertigen Substrat ist bereits der Großteil der Vorbereitungen abge-schlossen, einzig die Wahl des Behälters und dessen Ausstattung steht noch aus.                                                                                               

Als Zuchtbehälter eignen sich Terrarien nur bedingt da nicht genügend Bodengrund ``aufgeschüttet´´ werden kann. Ich verwende von Anfang an Plastikboxen die ich mit Luftlöchern versehe. Das ist auf jeden Fall die praktischste Variante. Die Größe hängt von Art und Besatz ab, aber für die meisten Rosenkäfer Arten verwende ich Boxen mit den Maßen 40 cm x 30 cm x30 cm (L x B x H) welche ca. 20 cm hoch mit Substrat gefüllt sind. Die Käfer verdichten das Substrat dann binnen weniger Tage das meist eine Substrathöhe von ca. 15 cm bleibt.

Auf das Substrat lege ich Äste und dünne Zweige das die Käfer sich problemlos aufrichten können wenn sie auf den Rücken fallen, und ein paar größere Holzstücke zum Klettern. Dann kommt noch eine dünne Schicht Falllaub aufs Substrat, da es so nicht so schnell austrocknet.                                                                   

 

Man sollte gleich beim einrichten der Box 1-2 erhöhte Futter-plätze einplanen, denn ganz egal welches Futter am Boden angeboten wird, man findet es überall wieder  nur nicht dort wo man es hingelegt hat. Das hat den Nachteil das man nicht immer alle Futterreste entfernen kann worüber sich dann besonders die Milben freuen. 

 

Ablauf und Arbeitsweise

Mit der fertig eingerichteten Zuchtbox können dann die ersten Käfer einziehen. Die Zuchtbox eignet sich in Größe und Ausstattung für mehrere Paare der meisten Pachnoda und Eudicella- Arten, welche ideale Einsteigerarten sind. sind. Beim Erstbesatz empfiehlt es sich zuerst das Futter in die Box zu geben, und erst dann die Käfer einzusetzen. So ist das Risiko wesentlich geringer das sich ein Käfer für den Freiflug entscheidet.  Als Futter verwende ich Beetle-Jelly da das die für mich einfachste Methode ist, man kann aber auch Früchte füttern. Am besten werden Bananen von den meisten Arten angenommen.

Die Temperatur für Imagines beträgt bei mir bei Pachnoda-Arten um die 25°C, Eudicella-Arten halte ich etwas kühler bei 22-23°C. Die Larven beider halte ich bei 20-23°C, je nachdem wie hoch die Box steht.

 

Der Arbeitsablauf in den Käferboxen ist im Prinzip immer der Gleiche.  Füttern und das Substrat feucht halten. Am besten einmal pro Woche die Oberfläche übersprühen, sollte das Substrat einmal etwas mehr austrocknen dann ist es besser nicht einmal mehr zu sprühen, sondern zwei Tage hintereinander zu sprühen. So kann das Sprühwasser an beiden Tagen im Substrat versickern ohne das es bis zum Boden durchläuft und sich dort sammelt.

Ein erneuern des Substrats ist bei Eudicella-Arten normalerweise nicht notwendig da diese eher kurzlebig sind, drum warte ich im Normalfall noch 2-3 Wochen nach Ableben des letzten Weibchens und durchsuche dann das Substrat nach Larven. Bei den wesentlich langlebigeren Pachnoda-Arten ist das etwas anders. Durch die recht kurze Entwicklungsdauer der Larven, und die recht lange Lebensdauer der Imagos kommt es oft vor das man nach mehreren Generationen dann auch selbige zur gleichen Zeit in der Käferbox hat. Darum sammle ich bei Pachnoda-Arten ca. alle 6 Wochen die Larven aus der Käferbox und erneuere bei Bedarf das Substrat. Das alte Substrat kommt in eine Plastikbox und wird nach ein paar Wochen nochmal nach Larven durchsucht bevor es entsorgt wird.

 

Die Larven halte ich in den gleichen Boxen wie die Käfer, nur das ich das Substrat bis 5 cm unter den Rand auffülle. In jede Box kommen ca. 25 Larven so habe ich bisher kaum Ausfälle und züchte große Imagines. Am Arbeitsablauf verändert sich nicht viel. Alle 3-4 Wochen Feuchtigkeit und Substrat kontrollieren. Ich erneuere das Substrat komplett sobald mehr Kot als fressbares Material vorhanden ist, man kann aber gut 20% des alten Substrats in der Box lassen so können sich evtl. L3 besser verpuppen.  Die Larven durchlaufen in den Boxen alle 3 Stadien bis sie sich schließlich ihren Kokon bauen. Dies geschieht entweder frei im Substrat oder z.B. an der Behälterwand. Bei Kokons an der Behälterwand kann man ohnehin nichts machen außer sie dort zu belassen.

Kokons die ich frei im Substrat finde überführe ich in eine eigene, wesentlich niedrigere Box in die ich ca. 5 cm hoch Substrat mit höherem WFH-Anteil fülle. Durch den höheren WFH-Anteil speichert das Substrat die Feuchtigkeit besser. Die Kokons werden dann einfach aufs Substrat gelegt. So ist es wesentlich einfacher geschlüpfte Käfer zu finden. Wenn die Luftlöcher in der Box gut dimensioniert sind, ist es nicht notwendig das Substrat nach zu feuchten.

 

Und mit den ``geschlüpften´´ Käfern beginnt der Zyklus wieder von vorne.

 

Zum Abschluss möchte ich noch sagen dass dies nur das Grundgerüst zur erfolgreichen Zucht ist. Es gibt noch etliche Substratmischungen, Substrate und Substratzusätze die alle die Zucht beeinflussen. Allerdings bietet die beschriebene Arbeitsweise eine solide Basis auf die weiter aufgebaut werden, und die Zucht so noch ``verfeinert´´ werden kann.

Dann viel Spaß beim Käfer züchten.

 

Autor: Martin ``Wutzi`` Emich

 

PAP 1/2013

E. trilineata interruptefasciata Männchen Portrait – Ansicht Foto: Matthias Seidel

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