Haustierpark

Mäckis Haustierpark im Zoo Linz - ein Paradies für gefährdete Haustierrassen!

Mit dem Spatenstich am 17. April 2015 wurde im Linzer Zoo der Startschuss für ein neues Bauprojekt gegeben. Auf etwa 3.500m² entsteht mit „Mäckis Haustierpark“ ein Anlagen-Komplex für teils hochgefährdete Haustier-Rassen.

Dabei soll nicht nur der herrliche Ausblick auf die Stadt Linz zahlreiche Besucher in den Zoo locken, sondern natürlich auch die besonderen Zoobewohner. Selbstverständlich wissen dank der guten Aufklärungsarbeit mittlerweile viele Zoobesucher über wirklich dramatische Gefährdung von z.B. Tigern, Berggorillas oder Nashörnern Bescheid – aber was ist mit Haus- und Nutztieren?

 

In den letzten Jahrhunderten wurden viele unterschiedliche Nutztierrassen gezüchtet, die sich hervorragend an ihre Umgebung angepasst haben und den Menschen treu zu Diensten standen. Doch mit der modernen Landwirtschaft wurden diese Rassen durch gewinnversprechende Hochleistungsrassen ersetzt und gerieten in Vergessenheit.

 

So verschwand nicht nur ein großes genetisches Potential, es gingen auch wichtige Eigenschaften wie z.B. Robustheit, Genügsamkeit Widerstandsfähigkeit unwiederbringlich verloren. Mittlerweile sind einige dieser Rassen komplett ausgestorben.

Während früher meist sogenannte „Zweinutzungsrassen“ oder sogar „Dreinutzungsrassen“ im Einsatz waren, die nicht auf ein Leitungsmerkmal gezüchtet waren, sondern z.B. Milch und Fleisch, Fleisch und Eier oder Fleisch und Milch und Wolle produzierten, setzt man heute fast ausschließlich auf „Hochleitungstiere“. Noch vor 50 Jahren brachte es eine durchschnittliche Kuh auf ca. 4.000 Liter Milch im Jahr und wurde bis zu 20 Jahre alt. Das „Turborind“ von heute schafft locker 10.000 Liter und mehr im Jahr, wird aber selten älter als 5 Jahre. Auch beim Geflügel  ist es nicht viel anders: Das moderne Masthuhn wird mit 30-40 Tagen geschlachtet, Biohühner werden etwa 72 Tage alt und das gute alte Suppenhuhn - meist eine ausgediente Legehenne - darf zwei bis fünf Jahre leben.

Mit der Haltung und Zucht einiger dieser alten Rassen, möchte auch der Linzer Zoo aktiv zur Erhaltungsarbeit für gefährdete Haustierrassen beitragen. Aus diesem Grund möchten wir hier drei Rassen näher vorstellen:

 

Das Sulmtaler Huhn

Das Sulmtaler Huhn stammt ursprünglich aus der ehemaligen Unter- und Mittelsteiermark zwischen Graz und Marburg. Ab dem 17. Jahrhundert lebte es auf Streuobstwiesen, Äckern und in Wäldern und galt als Festtagsdelikatesse auf Fürsten- und Kaiserhöfen. Dieses Zweinutzungshuhn ist robust, legefreudig und wetterfest und sucht sich im Freiland das Futter von ganz alleine. Trotz der genügsamen Lebensweise zeichnet sich das Sulmtaler Huhn durch eine kräftige Statur aus.

Nach 1950 verschwand das Sulmtaler Huhn fast vollständig von der Bildfläche. Erst in den 1980ern erinnerte man sich wieder an die Qualitäten dieser Rasse und es begann eine lange Zeit der Neuzüchtung, Wiederansiedelung und Erhaltungszucht in der Steiermark.

Obwohl das Sulmtaler Huhn als schnellwüchsig gilt, darf dieses „Edelhuhn“ ca. sechs Monate leben bis es als Fleisch mit hoher Qualität beim Konsumenten landet. In Österreich leben momentan ca. 5.000 Sulmtaler Hühner und Hähne.

 

Das Waldschaf

Das Waldschaf stammt vermutlich vom mittelalterlichen „Zaupelschaf“ ab und wurde ab 1890 vorwiegend im Mühl- und Waldviertel so wie im Böhmerwald und in den Mittelgebirgen des Bayrischen Waldes gehalten.

Diese genügsame und wetterunempfindliche Schafrasse ist mit seiner guten Mischwolle optimal an die klimatischen Verhältnisse im Mittelgebirgsregionen angepaßt und gut vor Hitze und Kälte geschützt. Der Wollertrag pro Jahr beläuft sich auf 3kg - 3,5kg/Tier. Der Fleischertag ist eher gering, Lämmer zeichnen sich durch einen besonders feinen Geschmack ohne „schöffeln“ oder „böckln“ aus. In Allgemeinen gilt das Waldschaf als wenig anfällig gegenüber Krankheiten und Parasiten und hat ein ruhiges Gemüt.

Als industriell gefertigte Textilien und Kunstfasern immer mehr auf dem Vormarsch waren, lohnte sich die Wollverarbeitung nicht mehr und das Waldschaf starb beinahe aus: Mit nur 60 Tieren starteten 1980 die ersten Erhaltungsmaßnahmen bis man in Österreich ein paar wenige Restbestände entdeckte. Nach vielen Schwierigkeiten gibt es seit 1999 stetig steigende Zahlen und mittlerweile gibt es in Österreich wieder ca. 1.000 Tiere.

 

Die Walliser Schwarzhalsziege

Als stämmige, trittsichere und widerstandsfähige Hochgebirgsrasse wurde die Walliser Schwarzhalsziege etwa 930 n. Chr. in die heutige Schweiz eingeführt. Die „Gletschergeiß“ gilt als eine der ältesten Hausziegenrassen der Welt und wurde als leistungsfähige „Zweinutzungsrasse“ (Mast- und Milchrasse) gehalten. Die jährliche Milchmenge beträgt etwa 600kg. Die langhaarigen zotteligen Tiere mit der schwarzen vorderen Körperhälfte und der weißen hinteren Körperhälfte sind robust und anspruchslos.  

Ende des 19. Jahrhunderts war die Schwarzhalsziege noch sehr beliebt, 1970 waren aber nur noch 440 reinrassige Tiere übrig. Mittlerweile erholte sich der Bestand und es gibt wieder ca. 1.500 dieser wunderschönen Tiere.

Auch wenn sich die alten Nutz- bzw. Haustierrassen nicht zur Massentierhaltung eignen, steigt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten, artgerechter Tierhaltung und umweltverträglicher Produktion. Speziell alternativ produzierende Landwirte greifen oft auf die fast in Vergessenheit geratenen Rassen zurück. So kann die Kaufentscheidung jedes einzelnen Konsumenten zum Erhalt eines kleinen Stückchens „lebender Kulturgeschichte“ beitragen.

 

Mag. Sabina Hildebrand, Zoo Linz

PAP: Ausgabe 17

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