Tiertraining im Zoo

Viele Menschen denken bei dem Begriff „Tiertraining“ an einen Zirkus, wo Tiger darauf trainiert werden durch einen brennenden Reifen zu springen, oder Elefanten ruhig und brav einen Artisten durch die Menagerie tragen. Auch vielen Haustier- und vor allem Hundebesitzern ist „Tiertraining“ ein Begriff. Vom befolgen einfacher Kommandos wie „Sitz“ oder „Platz“, bis hin zum bewältigen von herausfordernden Hindernissen beim Hundesport „Agility“, steckt oft viel Geduld und Training dahinter.

 

Auch im Zoo nimmt die Bedeutung von Tiertraining immer mehr zu. Heute erfüllen Zoos wichtige Aufgaben im Bereich der Bildung und Wissenschaft, sowie im Natur- und Artenschutz. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, ist zum einen das Erscheinungsbild des Zoos und deren Bewohner, und zum anderen das Wohlergehen der Zootiere ein wichtiger Aspekt. Häufig müssen Zootieren, vor allem höheren Tieren wie Säugetieren, verschiedenste Reize geboten werden, um ihre natürlichen Instinkte ausleben zu können. Werden nicht alle Bedürfnisse eines Tieres erfüllt,  können Verhaltensstörungen, sogenannte Stereotypien, auftreten. Aus diesem Grund werden auch im Linzer Zoo viele verschiedene Methoden angewendet, um dem Tier vielfältige und abwechslungsreiche Reize und Beschäftigungen zu bieten. Neben dem naturnahen Gestalten der Tieranlagen und einem einfallsreichem Enrichment (Beschäftigungsprogramm), kann auch Tiertraining durch abwechslungsreiche, herausfordernde Aufgaben und neue Reize das Wohlergehen von Zootieren positiv beeinflussen.

 

Wie das Tiertraining in den Zoo gekommen ist

Tiertraining in Zoos entwickelte sich aus Wasserparks mit Showeinlagen von marinen Säugetieren. Dieses Training, das rein für das Lernen von Kunststücken geplant wurde, entwickelte sich weiter, um Pflegearbeiten und veterinärmedizinische Arbeiten zu erleichtern und um das Wohlergehen der Tiere zu steigern. Heute ist das Thema „Tiertraining“ in vielen Zoos bereits ein fixer Bestandteil in der Tierhaltung.

 

Klicker-Training

Eine Trainingsmethode, welche eine wachsende Beliebtheit in Zoologischen Gärten zeigt, ist das Klicker-Training. Dies ist eine Methode, bei der durch positive Bestärkung das Verhalten von Tieren beeinflusst wird. Wenn ein Tier eine gewünschte Verhaltensweise zeigt, belohnt dies der Trainer mit einem „Klick“-Geräusch gefolgt von einer Belohnung (meist ein Leckerli). Somit beruht diese Trainingsmethode auf freiwilliger Kooperation der Tiere und gibt ihnen eine gewisse Kontrolle über ihr Verhalten und die Umwelt, was sich positiv auf das Wohlergehen auswirkt. Mit dieser Methode trainierte Tiere zeigen eine erhöhte Sicherheit während den Arbeiten der Tierpfleger und auch bei veterinärmedizinischen Untersuchungen.

 

Verschiedene Primatenarten konnten mit positiver Bestärkung dahingehend trainiert werden, bei Blut-, Urin- und Speichelabnahme zu kooperieren. Es wurde auch ein positiver Effekt dieser Trainingsmethode bei sozialen Problemen mit Artgenossen erzielt. Bei einer Kattagruppe (Primatenart aus der Gruppe der Lemuren) in einem italienischen Zoo steigerte sich während der Trainingsperiode kooperatives Verhalten. Primaten und Elefanten zeigten eine signifikante Reduktion der Aggressivität gegenüber den Trainern. Auch neue Situationen, wie die Übersiedelung in ein neues Gehege oder die Gewöhnung an neue Artgenossen, können durch dieses Training für ein Tier erleichtert werden, indem auftretende Ängste desensibilisiert werden.

Ebenfalls kann das Trainieren von Tieren Verhaltensstörungen verringern. Beim Großen Tümmler wurde durch Training das Schlucken von Gegenständen dahingehend verhindert, dass der Delphin für einen gebrachten Gegenstand eine Belohnung erhielt. Somit wurde das Verschlucken von Gegenständen völlig abgewöhnt.

 

Ob bewusst oder unbewusst, Tierpfleger und Tierärzte sind „Trainer“ und beeinflussen das Verhalten der Tiere und die Tier-Mensch Beziehung. Das Tier lernt, dass die Anwesenheit bestimmter Personen positive oder negative Konsequenzen haben kann, was sich auf ihr Verhalten gegenüber diesen Personen auswirkt.

Bei verschiedenen Primatenarten, sowie Spitzmaulnashörnern und Steppenzebras konnte durch ein Training eine positive Tier-Mensch Beziehung aufgebaut werden. Die Tiere zeigten weniger Angst gegenüber bekannten Menschen, den Tierpflegern, sowie gegenüber unbekannten Menschen, den Besuchern. Durch Training mit positiver Bestärkung baut der Trainer Vertrauen und eine Bindung zu dem Tier auf, und schafft gleichzeitig eine stimulierende, interessante und sichere Lernumgebung.

Da Klicker-Training für ein Tier eine geistige Herausforderung darstellt und das Lösen von Problemen fordert, ist es so erträglich wie andere komplexe Enrichment-Methoden. Auch die Aktivität von Tieren in Gefangenschaft kann durch Training gesteigert werden, indem das allgemeine Wohlbefinden verbessert wird und indem das Verhaltensrepertoir von Tieren vergrößert wird.

 

Zusammenfassend kann man mit einem Tiertraining mit positiver Bestärkung folgende Vorteile in einem Zoo erzielen:

1. Verbesserte Pflege und veterinärmedizinischer Umgang durch

   freiwillige Kooperation der Tiere,

2. verbessertes innerartliches- und erhöhtes positives Sozialverhalten   

   durch reduziertes Aggressionsverhalten,

3. verbessertes psychologisches Wohlergehen durch Desensibilisierung

   von Ängsten,

4. verbesserte Tier-Mensch Beziehung und

5. ein erhöhter Aktivitätslevel der Tiere.

 

Durch das Erfüllen dieser Punkte, erleben Zoobesucher zufriedene Tiere in einer streßfreien Umgebung und somit Wohlergehen für Mensch und Tier.

 

Elisabeth Hölzl, MSc; Zoo Linz

PAP: Ausgabe 18

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