Eine Vogelspinne als Haustier

Für die Haltung von Vogelspinnen sind Glasterrarien mit Falltüren ideal. Auch wenn in machen Vogelspinnenliteraturen von doppelten Belüftungsflächen wegen der angeblichen Verletzungsgefahr abgeraten wird, so haben diese doch den Vorteil, dass dadurch eine bessere Belüftung und damit ein besseres, gesünderes Mikroklima erreicht wird und dies damit für die Gesundheit der Tiere förderlich ist. Außerdem kommt es in diesen Terrarien weniger häufig zu Schimmelbildung und beugt ein gutes Mikroklima auch Milbenbefall vor, welcher häufig in schlecht belüfteten Spinnenterrarien zu finden ist. Abzuraten ist von Faunaboxen (kleine Kunststoffterrarien) die gerne auch als Spinnenterrarien verwendet werden.

Die Einrichtung und die Maße des Terrariums müssen der jeweiligen Spinne angepasst werden. Dementsprechend ist für Baumbewohner die Höhe des Terrariums wichtiger als die Grundfläche. Höhlenbewohner benötigen wiederum ein Terrarium, bei welchem das Bodensubstrat mindestens 20 cm hoch eingebracht werden kann. Für kleinere Spinnenarten genügt eine Grundfläche von 25 x 25 cm, bei größeren Arten ist eine Grundfläche von 40 x 40 cm ausreichend. Für die in Brasilien, Venezuela und Guyana vorkommende Theraphosa blondi, die eine Körperlänge von 12 cm erreicht und die als größte Vogelspinne der Welt gilt, sollte das Terrarium eine Mindestgröße von 60 x 40 x 40 cm aufweisen. 

Baumbewohnende Arten wie z.B. alle Arten der Gattung Avicularia sind normalerweise kaum auf den Boden anzutreffen. Naturgemäß ist daher die Höhe wichtiger als die Grundfläche. Je nach Größe der Spinne sollte diese 30 bis 50 cm betragen oder als Faustregel die doppelte Beinspannweite. Eingerechnet muss bei der Größe des Terrariums auch die Höhe des Bodengrundes werden. Dieser sollte zum Beispiel auch bei Baumbewohnern hoch genug sein, damit lebende Pflanzen eingesetzt werden können. Dies hat den Vorteil, dass leichter eine konstante höhere Luftfeuchtigkeit  erreicht wird, welche die meisten Baumbewohner benötigen. Als Bodensubstrat eignet sich besonders Kokosfaser, die günstig als Ziegel gepresst zu erhalten sind. Bei Bodenbewohnern sollte darauf geachtet werden, dass das Bodensubstrat eine gewisse Festigkeit aufweist, sodass von Spinnen gebaute Höhlen nicht zusammenfallen. Dazu empfiehlt sich eine Kokosfaser- Sandmischung. Zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit kann z.B. auch Sphagnum-Moos verwendet werden. Neben einem kleinen Wassernapf sollte der Spinne auch eine Versteckmöglichkeit zur Verfügung stehen.

Ein zu großes Terrarium führt bei Vogelspinnen oft zum Verhungern, weil kein Futtertier in ihre Nähe kommt. Auch die Höhe ist zu beachten: Spinnen können sich bereits bei einem Absturz aus sehr geringer Höhe die Beine brechen. Dies hat das Austreten von Hämolymphe (zirkulierende Körperflüssigkeit) zur Folge und führt zu einem lebensbedrohenden Zustand. Eine durch einen Absturz verursachte Verletzung am Hinterleib (Abdomen) endet in den meisten Fällen tödlich.  Große und schwere Tiere sind dabei gefährdeter als kleinere Arten. Es ist daher zu achten, dass der Abstand zwischen Boden und Terrariumdecke maximal eine Höhe von 20 cm betragen soll.

Wichtige Faktoren sind auch Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Manche Arten haben bei der Luftfeuchtigkeit eine hohe Toleranzgrenze wie z.B. Poecilotheria regalis, andere Arten wie z.B. Avicuaria Arten sind empfindlicher. Ein Hinweis auf eine zu feuchte Haltung kann die Flucht der Vogelspinne nach oben sein.

Als Wärmequelle eignen sich Spotlampen mit 25 bis 40 Watt, die je nach Wärmebedarf positioniert werden. Da Vogelspinnen kein grelles Licht mögen, muss darauf geachtet werden, dass die Spinne dem Lichtstrahl ausweichen kann. Bewährt haben sich auch Lampen mit Rotlicht. Wie auch bei anderen Terrarientieren soll den Spinnen die Möglichkeit geboten sein, dass sie sich in wärmere und kühlere Plätze im Terrarium zurückziehen können.

Ohne Nahrung können Vogelspinnen locker ein halbes Jahr und länger überleben. Ohne Wasser jedoch in kürzester Zeit dehydrieren. Daher sollte in jedem Terrarium ein Thermo- und Hygrometer angebracht sein. Auch wenn Feuchtigkeit eingesprüht wird, sollte in keinem Spinnenterrarium der Wassernapf fehlen.

Ebenfalls ist eine Bepflanzung anzuraten, auch wenn diese oftmals den Spinnen oder auch Futtertieren zum Opfer fallen. Diese sollten kleinwüchsig bleiben und Temperaturen zwischen 15 bis 35°C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 45 bis 99 % ertragen. Für kleinere Vogelspinnen-terrarien eignen sich dazu z.B. die Bromelie Cryptanhus bivittatus (Versteckblüte), welche es in verschiedenen Farbformen mit rosa, braunen, sowie weiß gestreiften Blättern und weißten Blüten-ständen gibt. Fittonia verschaffeltii wird im Handel als Rotblättrige Fittonie oder Mosaikpflanze angeboten. Sie wächst als krautige, sich breit verzweigende Pflanze mit flachem Wuchs. Die etwa 5 cm langen, ovalen, dunkel- bis olivgrünen Blätter erfreuen mit einem filigran gezeichnetem, rotem Adernetz. Ältere Exemplare bilden endständig aufrechte Blütenähren mit weißen Blüten. Als tropische Schatten-pflanze benötigt sie eine hohe Luftfeuchtigkeit. Aus der Gattung der Feigen stammt Ficus pumila. Das als Kletterfeige oder Kletterficus bekannte Gewächs ist in Ostasien und Vietnam heimisch. Beachtet werden muss, dass diese Pflanze keine Staunässe und auch keine Ballentrockenheit verträgt. Aus Madagaskar stammt die Hypoestes phyllostachya (Punktblume, Tüpfelblume, Buntgefleckte Hüllenklaue) und zählt zu den Akanthusgewächsen. Zu finden sind Sorten mit rosa, weißem oder grünen Laub. Zu den Aronstabgewächsen (Araceae) gehört die Kletterpflanze Philodendron scandens (Philodendron, Baumfreund). In ihrer Heimat Mittel- und Südamerika klettert diese Pflanze an mächtigen Bäumen des Urwaldes nach oben in Richtung Licht. Philodendron scandens besitzt glänzende, mittelgrüne, herzförmige Blätter, die im Alter bis zu 30 cm lang und 20 cm breit werden können. Die Blüten haben einen zylindrischen Kolben, welcher auf einer Seite von einem weißen Hochblatt umgeben wird.  Staunässe muss unbedingt vermieden werden. Für größere Terrarien ist unter anderem der aus Malaysia stammende Codiaeum variegatum (Kroton, Wunderstrauch) geeignet. Diese Pflanze zählt zur Familie der Wolfsmilchgewächse und ist in subtropischen und tropischen Regionen eine beliebte Park- und Gartenpflanze. Zahlreiche Sorten unterscheiden sich in Höhe, Form und Färbung ihrer Blätter. Zur Familie der Sreifenfarngewächse (Aspleniaceae) zählt der Asplinium nidus (Nestfarn). Er stammt aus den tropischen Regionen Afrikas, Australiens und Polynesien. Dort wächst er sowohl terrestrisch (in der Erde) als auch epiphytisch (als Aufsitzerpflanze auf z.B. Bäumen wachsend). Er kann bis zu einen Meter lange Wedel ausbilden, bleibt aber im Topf deutlich kleiner. Es gibt Sorten mit gewellten oder gezackten Blättern.  Eine für die Terraristik besonders interessante Pflanze ist die Epipremnum auremum (Efeutute). Dabei handelt es sich um eine Kletterpflanze die mithilfe ihrer Luftwurzeln an Bäumen und anderen Stützen auch in luftige Höhen von bis zu 20 Metern wachsen kann. Sie gehört zur Familie der Aronstabgewächse und ist äußerst robust. Sie kommt in zahlreichen tropischen Regionen vor und hat ihren Ursprung in Indien über Bangladesch bis nach Australien. Sie ist aber z.B. auch in Thailand, Vietnam, China, Japan, Singapur, Philippinen etc. zu finden. Neben der Terraristik wird sie auch gerne in der Aquaristik verwendet um die Wasserqualität im Süßwasseraquarium zu verbessern. Dazu lässt man die Pflanze einfach direkt im Aquarium wurzeln, wodurch sie dem Wasser schädliche Stoffe wie etwa Phosphate oder Nitrate entzieht. Welse und andere Fische nutzen sie gerne als Rückzugsort und Laichsubstrat. Die Efeutute ist wie andere Aronstabgewächse eine giftige Pflanze. Dies liegt an Scharfstoffen und an Calciumoxalat und kann an der Hautoberfläche zu Entzündungen führen. Bei einem Verzehr führt die Vergiftung zu einem Brennen und Anschwellung der Schleimhäute und Zunge, gefolgt von Übelkeit und Erbrechen mit anschließenden Magen-Darm-Beschwerden und Krämpfen bis Durchfall. Besondere Vorsicht gilt auch bei Tieren, da Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Vogel etc. ebenfalls bei Verzehr mit obgenannten Vergiftungserscheinungen reagieren. Vorsicht ist auch bei Wasserschildkröten und Chamäleons geboten.  Die Pflanze tropft, wenn sie zu stark gegossen wurde und gibt auf diese Weise das überschüssige Wasser über die Blätter wieder ab. Calathea makoyana (Korbmarante) stammt aus Brasilien. Sie erreicht eine Höhe von bis zu 50 cm und besticht durch ihre gemusterten Blätter. Obwohl aus dem tropischen Regenwald stammend verträgt diese Pflanze keine „nassen Füße“. Es darf also erst getrocknet werden, wenn die Erde ausgetrocknet ist. Zur Familie der Aronstabgewächse gehört auch die Syngonium podophyllum (Purpurtüte). Sie ist eine immergrüne Pflanze die kletternd und kriechend wächst und dabei eine Länge bis zu zwei Meter erreicht. Sie verändert im Laufe der Jahre ihre Blätter von anfangs pfeilförmig bis im Alter tief eingeschnitten. Die Temperatur sollte um die 20 °C liegen, außerdem benötigt sie eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Sowohl Staunässe als auch Trockenheit sollte vermieden werden, außerdem sollte das Wasser nicht zu kalkhaltig sein. Achtung: Stiele und Blätter sind für Hunde, Katzen, Nager, Vögel etc. giftig, cfür Vogelspinnen stellen giftige Pflanzen keine Gefahr dar, da diese nicht angefressen werden.

Natürlich kann man aber auch auf Kunststoffpflanzen zurückgreifen. Diese sind natürlich pflegeleichter, allerdings muss dann mehr auf Luftfeuchtigkeit und Schimmelbildung geachtet werden.

Bei der Vogelspinnenhaltung ist auch die Hygiene sehr wichtig. Besonders tote Futtertiere und Beutereste müssen entfernt werden, da diese z.B. die Buckelfliege die als Überträger von Nematoden (Fadenwürmer) gelten, anziehen.

Etwas mehr Augenmerk sollte einer Vogelspinne bei der Häutung, die für das Wachstum notwendig ist, geschenkt werden. Diese steht bevor, wenn der Hinterkörper (Opisthoma) beinahe haarlos geworden ist. Ein weiterer Hinweis kann sein, dass die Tiere über einen längeren Zeitraum (bis zu mehrere Monate) keine Nahrung zu sich nehmen. Viele Spinnen weben vor der Häutung einen „Häutungsteppich“. Die Häutung kann bis zu 48 Stunden dauern, wobei sich jüngere Spinnen schneller häuten. Förderlich ist es, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen, da dies den Spinnen der Häutung erleichtert.

Um Nahrung aufnehmen zu können injizieren Vogelspinnen mit Hilfe der Chelicerenklauen („Zähne der Vogelspinne“) Gift in ihr Beutetier. Dieses Gift ist ein Verdauungsenzym, wodurch die körpereigenen Proteine des Opfers verflüssigt werden und dadurch abgesaugt werden kann. Diese Nahrungsaufnahme kann mehrere Stunden beanspruchen.  

Besonders beliebte „Anfängerspinnen“ sind Arten der Brachypelma wie z.B. die aus Mexiko stammende Brachypelma smithi (Mexikanische Rotknievogelspinne) Sie ist ein Bodenbewohner und erreicht eine Körperlänge von bis zu 8 cm. Sie darf nur einzeln gehalten werden und wächst relativ langsam. Im Verhalten gilt sie als friedlich. Sie verteidigt sich durch bombardieren, beißen und flüchten. Die Spinne wurde 1996 im Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens aufgenommen, daher wird außerhalb der EU eine CITES-Bescheinigung benötigt. In der EU gilt die Europäische Artenschutzverordnung, dass heißt das der Verkäufer einen Herkunftsnachweis ausstellen muss. Im natürlichen Lebensraum herrschen tagsüber Temperaturen von 25 - 28°C, im Sommer können es bis zu 40°C sein, die Luftfeuchtigkeit sollte bei 60 - 70 % liegen. Männchen von Brachypelma smithi benötigen ca. 2-3 Jahre bis zur Geschlechtsreife, Weibchen sind nach 4-6 Jahren geschlechtsreif. Nach der Geschlechtsreife können Männchen noch bis zu drei Jahre, Weibchen bis zu 20 Jahre und mehr leben.

Bei Brachypelma smithi handelt es sich um eine Bombardierspinne. Fühlt sie sich bedroht reckt sie ihr Abdomen in die Höhe und streift ihre Brennhaare mit den Hinterbeinen ab. Die Reizhaare bzw. Brennhaare verfügen über eine Sollbruchstelle und Widerhaken. Bei Berührung mit der Haut können lokale Hautausschläge die Folge sein. Der Giftbiss selbst kann sehr schmerzhaft sein, da die Gift- bzw. Beißklauen bei ausgewachsenen Weibchen bis zu 1,5 cm lang werden können. Die Giftdrüsen sind sehr klein und die Wirkung gering, jedoch können die Schmerzen durch die Größe der Giftklauen erheblich sein. Die Giftwirkung selbst ist vergleichbar mit einer Wespe und sollten Allergiker besonders achtsam sein. Eher ungewöhnlich ist auch ihre manchmal angewendete Abwehrform durch das verspritzen von Kot, wodurch sie versucht ihren Angreifer in die Flucht zu schlagen. Die Zucht dieser Spinne ist relativ einfach. Im Frühjahr baut das Weibchen ihren Kokon und ist in der Lage, den männlichen Samen zu speichern. In einem Kokon können  bis zu 1000 Eier sein. Die Inkubationsdauer des Kokons beträgt ca. 90 Tage bei einer Durchschnittstemperatur von ungefähr 27°C und einer Luftfeuchtigkeit um die 60 %. Zu empfehlen sind auch Brachypelma albopilosum (Kraushaar Vogelspinne) und Brachypelma emilia (Orangebeinvogelspinne). Als einfach zu halten gilt auch die Grammostola rosea (Rote Chile Vogelspinne). Wie ihr deutscher Name schon sagt, stammt diese Boden bewohnende Vogelspinne aus Chile. Sie ist aber auch in Argentinien und Bolivien anzutreffen und wird bis zu 7 cm groß. Sie gräbt in freier Natur bis zu einem Meter tiefe Wohnröhren, die sie mit Spinnseide ausgekleidet. In Chile herrschen große Klimaschwankungen. Die Spinne zieht sich bei Temperaturen unter 10 Grad in ihre Wohnröhre zurück und stellt ihre Aktivitäten ein. Die Chile-Vogelspinne hat keinen Schutzstatus. Im Terrarium sollte die Temperatur tagsüber bei 23 - 27°C und nachts zwischen 16 - 20°C betragen. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 70 - 80% liegen.

PAP/Ausgabe 18

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