Stab- oder Gespenstschrecken, Wandelnde Blätter

Die Stab- oder Gespenstschrecken, die zur Insektenordnung der Phasmiden (eigentlich: Phasmatodea) gehören, leben vor allem in den Tropen und Subtropen. Der Name Phasmiden kommt aus dem Griechischen und bedeutet Erscheinung, Gespenst. Die Stab- und Gespenstschrecken haben keine Sprungbeine, gehören also nicht zu den Heuschrecken, aber auch nicht zu den Gottesan- beterinnen (Mantodea), denn alle Phasmidenarten sind Pflanzenfresser.

 

Ihre Körperform ähnelt Ast- oder Blattformen, viele Arten sind mit Dornen oder Körperanhängen ausgestattet und sehen verschiedensten Pflanzenteilen verblüffend ähnlich, sodass man sie selbst in Käfigen nicht gleich entdeckt. Die meisten Phasmiden haben eine nachtaktive Lebensweise und sitzen daher bei Tag fast unbeweglich auf den Futterpflanzen. Unter den Phasmidenarten gibt es wahre Riesen, Phobaeticus chani (aus Borneo), eine Riesenstabschrecke, mit 357 mm (Körperlänge + ca. 200mm Beinlänge) und auch Schwergewichte, wie die grüne Gespenstschrecke Heteropteryx dilatata (aus Malaysia), die bis 50 g erreichen kann. Diese Rekorde gibt es nur bei Weibchen, die Männchen sind meist kleiner. Weltweit wurden bisher rund 3000 Arten beschrieben, jährlich kommen weitere dazu.

 

Entwicklung

Phasmiden gehören zu den Insekten mit unvollkommener Entwicklung, das heißt, es gibt kein Puppenstadium und die Jungtiere sehen den adulten Tieren schon recht ähnlich, anders als bei Schmetterlingen oder Käfern. Die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier kann – je nach Art - 3 bis 6 Monate dauern. In dieser Zeit häuten sie sich mehrmals (5-6 mal). Dazu hängen sich die Larven nach unten an einen Ast. Nachdem die Haut auf der Rückenseite aufgeplatzt ist, gleitet das Tier langsam aus der Haut heraus. Es hängt dann noch einige Zeit an der abgestreiften Haut, um die neue aushärten zu lassen. Viele Arten fressen anschließend die alte Haut. Jungtiere (Nymphen) können  Beine, die sie bei der Häutung verloren haben, bis zur nächsten Häutung, meist etwas verkleinert, regenerieren.

 

Fortpflanzung

Etwa 2 bis 3 Wochen nach der letzten Häutung kommt es zur Kopulation, sofern Männchen vorhanden sind, und nach weiteren 2 bis 3 Wochen fangen die Weibchen mit der Eiablage an. Bei etlichen Arten kommen in den Zuchten nur Weibchen vor, hier erfolgt die Fortpflanzung parthenogenetisch.(z. B. Carausius morosus). Die zweigeschlechtige Fortpflanzung ist dennoch die Regel. Je nach Art werden 100 bis 1000 Eier einzeln abgelegt. Die meist hartschaligen Eier werden einfach fallen gelassen (Carausius morosus), in die Erde abgelegt (Eurycantha calcarata) oder auch an Futterpflanzen geklebt.( (Gratidia spec.)

 

Verhalten

Phasmiden sind gut getarnt, daher sitzen sie meist regungslos an ihren Futterpflanzen- oder verstecken sich in Baumhöhlen (z. B. die Gespenstschrecke Eurycantha calcarata aus Neuguinea). Etliche Gespenstschrecken schlagen mit den Hinterbeinen, bei stark bedornten Arten wie Eurycantha calcarata könnte das bei ungeschicktem Angreifen zu Verletzungen führen. Viele geflügelte Arten haben oft auffallend gefärbte Hinterflügel, die bei Gefahr zur Abwehr plötzlich ausgebreitet werden, andere erzeugen mit ihren Flügeln zischende Laute (Heteropteryx dilatata) oder reiben ihre Fühler aneinander (Phyllium Arten, die Wandelnden Blätter). Es gibt aber auch Arten, die ein übel riechendes oder ätzendes Sekret versprühen (Arten der Gattung Anisomopha )

 

Haltung und Zucht

Die Phasmiden sind als Terrarientiere vor allem auch für jene geeignet, die wenig Zeit für die Pflege de Tiere haben. Viele Arten sind leicht zu züchten, sofern der Käfig oder das Terrarium groß genug ist. Die Behälterhöhe sollte wenigstens der dreifachen Körperlänge der gehaltenen Tiere entsprechen, um das Futter für die Tiere in Gläsern einwässern zu können und andererseits brauchen die Tiere auch genügend Platz für die Häutung, da sie sonst bei der Häutung Beine verlieren oder überhaupt in der alten Haut stecken bleiben.

Der Boden des Behälters sollte mit Torf oder Blumenerde bedeckt sein (festdrücken). Die Schichte braucht nicht mehr als 2 bis 3 Zentimeter betragen. Wenn man regelmäßig besprüht, können sich die abgelegten Eier entwickeln. (Nicht während der Häutung besprühen.) Die normale Zimmertemperatur reicht für die einfach zu haltenden Arten. (Indische Stabschrecke oder Carausius morosus, Annam-Stabschrecke oder Baculum extradentatum bzw. Medauroidea extradentata) – Eventuell kann man den Boden mit einer dünnen Schicht Blätter bedecken (Vorsicht vor Schimmelbildung!).

 

Futter

Das Universalfutter für sehr viele Stab- und Gespenstschrecken sind Blätter der Brombeerarten. Grüne Blätter findet man im Wald auch im Winter unter dem Schnee. Weitere Futterpflanzen sind Efeu (Carausius morosus), verschiedene andere Rosengewächse wie Heckenrose, Himbeere, aber auch Trauben- oder Stieleiche. Einige Phasmidenarten sind jedoch Futterspezialisten, die nur eine ganz bestimmte Pflanzenart annehmen.

 

Zusammenfassend kann man viele Phasmidenarten als einfach zu haltende Terrarientiere bezeichnen, die - von der wöchentlichen Futtersuche und dem Erneuern des Futters im Behälter – abgesehen, vom Züchter wenig Aufwand erfordern. Die Stab-und Gespenstschrecken bringen für den Tierfreund den Kitzel des Exotischen, ohne für uns Menschen gefährlich zu sein.

 

Weiterführende Literatur:

Seiler, Christoph u.a.(2000): Phasmiden-Pflege und Zucht …, bede-VerlagRuhmannsfelden, 144 Seiten

Seiler, Christoph u.a.(2007): Phasmiden zu Hause, bede-Verlag 64 Seiten

 

Autor: Burghard Hausleithner

 

PAP 2/2012

 

Das grazile Männchen von Baculum extradentatum

Das Weibchen des Wandelnden Blattes Phyllium giganteum – wie der Name schon sagt, die größte bekannte Art. Männchen sind kleiner und sehr selten.

Das Männchen von Eurycantha calcarata eine sehr kräftige Art mit Dornen an den Beinen. Die Tiere verkriechen sich tagsüber gerne in Höhlungen (z.B. Röhren), kann bei Störungen stark mit den Hinterbeinen schlagen.

Das Weibchen von Baculum extradentatum. (Diese Art ist sehr

leicht zu züchten. (Diese Zucht hat man endlos lange, da immer

wieder Junge schlüpfen)

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