Freilandhaltung für "mediterrane Landschildkröten"

Schildkröten sind sensible Wildtiere und werden es auch immer bleiben. Zu den mediterranen Schildkröten zählen die Ägyptische Landschildköte (Testudo kleinmanni), welche die küstennahen Zonen von Lybien und Ägypten besiedelt. Sie hält im Sommer, wenn es zu heiß wird eine Sommerruhe (Ästivation) und hält keine direkte Winterruhe. Die Breitrandschildkröte (Testudo marginata) bewohnt das südliche Griechenland von Peloponnes bis zum Olymp und das südliche Albanien. Zusätzlich gibt es einige inselartige Vorkommen auf den Ägäischen Inseln und eingebürgerte Populationen in Italien wie etwas im Nordosten von Sardinien und in der Toskana. Sie kommt in Höhen bis zu 1.600 Meter vor. Das Verbreitungsgebiet der  Dalmatischen Landschildkröte (Testudo hercegovinensis) sind die östlichen Küstenzonen der Adria.  Das natürliche Vorkommen der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) sind große Teile des europäischen Mittelmeerraumes. Auch zu den mediterranen Landschildkröten zählt die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca)  deren Verbreitungsgebiet sich von der Atlantikküste im Westen Marokkos bis in den östlichen Teil des Irans erstreckt.

Um eine artgerechte Haltung einer mediterranen Landschildkröte zu erlangen ist ein Freilandgehege unabdingbar und muss daher eine naturnahe Landschaft ihres natürlichen Lebensraumes nachgebaut werden. Außerdem kann eine Innenhaltung dem großen Bewegungsdrang dieser Landschildkröten kaum gerecht werden. Bei dieser Nachbildung ist auch zu berücksichtigen, dass dieses mitteleuropäische Klima durch technische Hilfsmittel kompensiert werden muss. In unseren Breitengraden ist die Sonnenscheindauer zu kurz und die Temperaturen zu kalt und niederschlagsreich. Erreicht werden kann dies durch einen Frühbeetkasten oder ein Gewächshaus mit Wärmelampe. Der Treibhauseffekt erhöht bei geringer Sonnenbestrahlung sofort die Temperaturen im Frühbeet und die Wärmelampe überbrückt Schlechtwetterperioden. Ideal sind Wärmestrahler mit Thermostat, die sich bei Bedarf selbst einschalten. Bei einer dauerhaften Freilandhaltung ist die Lichtqualität dieser Wärmestrahler nicht entscheidend, da die Schildkröte bei Freilandhaltung ausreichend natürliches Sonnenlicht erhält.

Bei der Wahl des Standortes sollte darauf Acht genommen werden, dass dieser ganztägig besonnt ist. Dadurch wird den Tieren ermöglicht, bereits frühmorgens die ersten Sonnenbäder zu nehmen. Die Frühbeetanlage sollte von den Tieren selbstständig aufgesucht und auch verlassen werden können. Auch im Inneren eines Frühbeetes sollte für die Tiere eine Schutzhütte untergebracht sein. Wichtig ist auch die Temperatur in diesen Schildkrötenhäusern regelmäßig zu überwachen und für eine ausreichende Belüftung zu sorgen.

Auch ein Zuviel an Heizung kann den Tieren Schaden zufügen, und sollte man daher den natürlichen Temperaturschwankungen, welche die Schildkröten auch in ihren Heimatländern ausgesetzt sind, Rechnung tragen. Kurze Kaltperioden verschlafen die Tiere mit geringerer Körperaktivität. Ein zu viel aufgeheiztes Schildkrötenhaus verbunden mit zu kühlen Außentemperaturen kann sehr schnell zu Erkältungskrankheiten führen.

Eine Schildkrötenanlage muss ausbruchsicher begrenzt werden. Die Höhe des Zaunes sollte daher mindestens 40 cm betragen. Auch sollte bei manchen Tieren an eine Untergrabung gedacht werden und daher die Gehegeeinzäunung 10 bis 15 cm in den Boden ragen. Besondere Aufmerksamkeit sollte auch den Ecken eines Schildkrötengeheges geschenkt werden, da diese besonders gerne zur Flucht genutzt werden. Auch wenn Landschildkröten wenig agil wirken darf nicht vergessen werden, dass diese Tiere eine erstaunliche Kletterfähigkeit verbunden mit einer enormen Beharrlichkeit, im Überwinden von Hindernissen aufbringen können.  

Von großer Bedeutung ist auch die Gehegegestaltung. Sonnen- und Schattenplätze bestimmen das Mikroklima. Unterschlupfmöglichkeiten können den Tieren Schutz vor Hitze, Kälte und Nässe bieten. Sichtbarrieren in Form von z.B. Steinen und Wurzeln sind zum Schutz der Weibchen vor Verfolgung der männlichen Schildkröten einzurichten und geben Gestaltungsspielraum. Zur Bepflanzung sind winterharte mediterrane Wildpflanzen wie einige Wild- und Küchenkräuter, Gräser, kleine Büsche etc. die gesetzt werden geeignet. Natürlich muss auf Giftpflanzen verzichtet werden.  Eingeplant werden muss auch ein einfach zu reinigender Futterplatz mit Wasserschale. 

Jedes Jahr gehört auch die richtige Überwinterung zur Pflege von Landschildkröten. Die natürlichste Form ist die Überwinterung in einer Überwinterungsgrube in der Freilandanlage. Dazu müssen die Temperaturen in der Überwinterungsgrube abgeklärt werden. Lüftungsschacht und Grube müssen vor eindringenden Regen geschützt, abgedunkelt und mäusesicher abgesperrt sein. Die ideale Temperatur für die Überwinterung sämtlicher Europäischer Landschildkröten liegt zwischen 2 und 4 °C. In diesem Temperaturbereich sind sämtliche Stoffwechselvorgänge soweit reduziert, dass die Tiere mehrere Monate im Zustand der Winterruhe bleiben können. Die Temperaturen dürfen 0 °c. nicht unterschreiten. Eine richtige Winterruhe ist auch nicht möglich, wenn die Temperaturen auf 7°c ansteigen, da die Tiere dann zu verdauen beginnen und sich körperliche Abbauprodukte in den Organen ablagern. Wichtig ist außerdem, dass der Bodenrund im Schutzhaus gelockert ist, damit die Tiere durch entsprechendes eingraben eine Thermoregulierung durchführen können.

Auch die Überwinterung in einem Kühlschrank ist möglich, allerdings erfordert dies eine wesentlich genauere Überwachung. 

Anmerkung: Ein gut isoliertes Schutzhaus in einem Frühbeet oder Gewächshaus kann auch bei Außentemperaturen von -20 °C. bei Temperaturen von 2 – 3 °c. gehalten werden. Als Frostschutz eignet sich dabei auch der Einsatz von Laub, Styroborplatten etc..

Erfahrungsbericht über die Haltung Griechischer Landschildkröten (Testudo hermanni boettgeri)

Schildkröten werden immer häufiger in Österreich als Haustiere gehalten. Wobei „Haustier“ eigentlich nicht das korrekte Wort dafür sein dürfte, da Landschildkröten artgerecht in einem für sie angepassten Freigehege leben sollten. Griechische Landschild-kröten werden in zwei Unterarten und in eine Lokalform eingeteilt.

  • Testudo hermanni boettgeri

  • Testudo hermanni hermanni

  • Testudo hermanni hercegovinensis

 

Da ich zur Zeit ausschließlich Griechische Landschildkröten der Unterart „Testudo hermanni boettgeri“ beherberge und pflege, werde ich hauptsächlich über diese Unterart berichten. Dieser Artikel ist ein Eigenbericht aus privater Haltung und sollte Ihnen als kleiner Ratgeber dienen. Natürlich sollten sie sich schon vor dem Kauf ausführlich über Fachbroschüren, Tierärzte und Züchter über die artgerechte Haltung informieren.

 

Zu Beginn möchte ich ein paar Worte über die wichtigsten Punkte zur Erstellung eines Freigeheges berichten. Ein Freigehege sollte eine Einzäunung in der Höhe von mindestens 40 cm aufweisen, und blickdicht sein. Könnten sie die weite Welt erblicken würden sie ausbrechen wollen und auf Entdeckungstour gehen. Auch wenn Sie als Leser jetzt denken „was? Die können ja gar nicht klettern“ werden sie schnell vom Gegenteil überzeugt…sie sind ausgezeichnete Kletterer mit langem Durchhaltevermögen. Deswegen auf Kletterhilfen wie Steine oder Pflanzen am Gehegerand achten. Der Bodengrund sollte sandig, erdig und steinig mit vielen Versteckmöglichkeiten (Höhlen, Pflanzen und Kräuter) angelegt werden. Optimal wäre, wenn der Boden schnell auftrocknen kann und Wasserdurchlässig ist. Sie sollten sich auch schon vor dem Bau Gedanken machen, wie viele Tiere sie halten möchten. Jedes Tier benötigt ausreichenden Platz, da sie sich sehr flink fortbewegen. Ein adultes Tier( geschlechtsreif) benötigt in der Regel 10 qm und jedes weitere Tier 5 qm. Weibchen benötigen einen nicht zu kleinen Eiablageplatz sonst könnte eine Legenot auftreten.

Ich kann es nur immer wieder betonen: Eine Landschildkröte fühlt sich nur im Freien wohl! Terrarien oder Boxen sollten lediglich vorüber-gehend als Quarantänemöglichkeit oder bei Krankheit dienen. Es gibt nichts Schöneres als die Morgensonne zu genießen. Ist das Wetter unbeständig, müssen die Tiere einen geschützten Platz haben, der ebenfalls ausreichend Bewegungsmöglichkeit gibt. Ich habe mich für ein Frühbeet mit Stegplatten der Stärke 16 mm 1 x 1m entschieden, da ich für ein Gewächshaus keinen Platz habe. Ich sorge für ausreichend Belüftung im Frühbeet anhand eines automatischen Fensterhebers. Dieses Frühbeet ist im Gehege integriert und sollte wenn möglich die ersten Sonnenstrahlen abfangen. Das Frühbeet wird auf einen Sockel gebaut wo man eine Eingangstür ausspart. Sockel deswegen, weil die Tiere in den kalten Jahreszeiten, während der 5 monatigen Winterstarre und in der Aufwachzeit von ca. 4 Wochen, Technik (Lampen) benötigen. Frühbeete sind ohne Sockel in der Regel immer zu niedrig. Meinen Schildkröten steht im Frühbeet ein kleines Schutzhaus aus Holz zur Verfügung.

Ganz wichtig: stellen Sie immer Wasser zur Verfügung. Ich habe eine großzügige Wasserstelle mit Wasserfontäne angelegt und biete noch zusätzlich Schalen mit Wasser an. In meinem Gehege habe ich verschieden Futter- und Versteckpflanzen gesetzt. Das Wort Unkraut gibt es bei mir nicht mehr… den Unkraut gehört auf den Speiseplan meiner Lieblinge. Löwenzahn, Breitwegerich, Spitzwegerich, Brennnessel, Taubnessel, Gänseblümchen, Giersch, Hibiskus, Malve, Ringelblume, Kapuzinerkresse, Nachtkerze, Storchschnabel, Glockenblume, Schafgarbe, Stiefmütterchen, Lavendel, Kerbel, Taglilie, und noch einiges mehr haben sie zur freien Auswahl. Oberstes Gebot: KEIN Obst, KEIN Gemüse, KEIN Salat und keine Küchenabfälle füttern! Das alles wächst auch nicht in ihrem natürlichen Habitat und würde Ihnen nur schaden, auch wenn es lecker schmeckt. Fehlernährung sieht man Ihnen nicht sofort an… sie leiden sehr lange unter qualvollen Schmerzen, die die Tiere jedoch nicht durch Mimik oder Geräusche zeigen können.
Muschelgritt und Sepiaschalen helfen den Tieren bei der Schnabelkürzung und versorgt sie mit genügend Zufuhr von Calcium. 

Beachten Sie ebenso die Tierärztlichen Kontrollen speziell vor der Starre. Im Juni/Juli ist es an der Zeit, Kotproben zu sammeln und auf Krankheiten wie Wurmbefall untersuchen zu lassen.

Nun kommen wir zu einem enorm wichtigen Punkt…  die Anmeldung. Jedes artgeschützte Tier wie z.B. Landschildkröten müssen unbedingt beim zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Auch in Österreich sind die Tiere meldepflichtig. Kaufen Sie deshalb NIEMALS Schildkröten ohne Cites-Papiere…der Verkäufer aber auch Sie als Käufer könnten sich strafbar machen. Vergessen Sie auch nicht, Ihre Schildkröte regelmäßig zu wiegen und zu fotografieren, denn die Fotodokumentation wird bei jeder Kontrolle verlangt. Ich weiß, dass sich das alles sehr kompliziert anhört, aber glauben Sie mir - es ist ein wundervolles Hobby an welches man sich natürlich langsam herantasten muss. Kein Meister ist vom Himmel gefallen und jeder fängt mal klein an. Bedenken Sie jedoch, dass Sie dem Tier kein langes Leben schenken würden, würden Sie ein so agiles Tier in ein warmes Terrarium stecken. Eine Schildkröte wird im Normalfall weit über 100 Jahre alt…

Vielleicht konnte ich Sie ein Stückchen in meine kleine Schildkrötenwelt eintauchen lassen und Ihnen diese Tiere etwas näherbringen, oder Sie aber auch davon abhalten, unüberlegt welche anzuschaffen ohne sie artgerecht beherbergen zu können.

Autorin: Manuela Pichlmaier

PAP: Ausgabe 17

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