Die Fliegen

Für die meisten Menschen sind Fliegen oder Mücken nur lästig oder sogar ekelerregend. Ich möchte mit diesem Artikel zeigen, dass diese Tiere einen wichtigen Beitrag für das Funktionieren unserer Natur leisten, viele sind ausgesprochen schön und der wichtigste Aspekt ist die gewaltige Bandbreite ihrer biologischen Möglichkeiten.

Die korrekte Bezeichnung für diese Spezies ist Zweiflügler (Diptera). Einige wenige Arten sind flügellos. Diese haben aber dennoch die Schwingkölbchen, das sind die Rudimente der Hinterflügel. Die Zweiflügler werden in zwei Kategorien unterteilt und als Mücken  (Nematocera) und Fliegen  (Brachycera) bezeichnet. Diese Einteilung ist aus historischer Sicht ein Versuch, die Fülle der Familien, Gattungen und Arten zu katalogisieren. Es sind  etwa 140 Familien  bekannt, wobei diese Familienstruktur bis heute durch bessere Untersuchungsmethoden laufend geändert wird. 

Bekannt sind meist nur die Stechmücken Culicidae, die zweifellos Überträger vieler Krankheiten sind. Es gibt eine Schätzung, dass die durch Stechmücken übertragenen Krankheiten (Dies kann z. B. die Bakterienruhr, Cholera, Hepatitis, Kinderlähmung, Milzbrand, Schlafkrankheit und Typhus sein. Diese Gefahren sind aber nur aus den tropischen und warmen Regionen der Erde bekannt.) Ursache für über 2 Millionen Todesfälle sind.

Dies betrifft Hauptsächlich die Tropen, bei uns sind besonders die Larven wichtige Filtrierer und Futter für die Fischlarven. Die Auen waren immer das Reich der Stechmücken, diese  bilden deshalb auch kein Erholungsgebiet. Die großflächige Bekämpfung dieser Tiere wird sich negativ auf viele Arten auswirken, sogar Fische werden durch Nahrungsmangel in ihrem Bestand gefährdet. Auch die Arten anderer Familien können Krankheiten übertragen z.B. Simuliidae oder Kribbelmücken, aber der Großteil lebt unbemerkt unter uns.

Nun zu den Brachycera, welche die echten Fliegen sind. Blutsauger sind z. B. die Tabanidae oder die Bremsen. Die Männchen sind Blütenbesucher, nur die Weibchen benötigen Blut für die Ovarien-Reifung, dies gilt auch für alle anderen blutsaugenden Arten. Die Asilidaed oder Raubfliegen haben ihren Namen erhalten, da sie andere Fliegen jagen und aussaugen. Interessant ist, dass die Männchen den Weibchen ein Hochzeitsgeschenk in Form einer Fliege überbringen.

Eine weitere Gruppe sind die Syrphidae oder Schwebfliegen. Diese sind wichtige Bestäuber und viele Arten sind als Blattlaus-Jäger sehr beliebt.

Nun zu meiner Lieblingsgruppe, den Muscoidea. Diese stammesgeschichtlich sehr junge Gruppe beinhaltet viele Familien mit den unterschiedlichsten Lebensweisen. Die bekanntesten Tiere gehören zur Familie der Muscidae, eine riesige Familie mit weit über tausend Arten. Drei Arten kennt wahrscheinlich  jeder: die große und kleine Stubenfliege sowie den Wadenstecher. Die Larven ernähren sich von allen biologischen Stoffen, sie fressen abgestorbene Pflanzen, tierische und menschliche Leichen (darüber in der nächsten Ausgabe) und Kot aller Art. Diese Tiere sind bei der Futtersuche nicht wählerisch; sie werden als unappetitlich eingestuft, sind aber wichtige Destruenten. Sie sind durch ihre Lebensweise mögliche Überträger verschiedenster Krankheitserreger.

Eine kleine, aber interessante Gruppe sind die Gastrophilinae – Oestrinae. Es sind Parasiten im Magen-Darm Bereich von Pferden, Rindern und Schafen. In Afrika gibt es zwei Spezialisten: eine Art parasitiert Elefanten die andere ausschließlich Nashörner. Hierher gehören auch Nasen- und Rachenfliegen, diese parasietieren besonders Rotwild. Die Tiere werden dadurch so geschwächt, dass sie den Winter nicht überleben.

Die Tachinen sind ento Parasiten von Schmetterlingen. Käfer, Wanzen und andere Insekten werden nicht verschmäht. Von den Tachinen gibt es in Österreich etwa 1000 Arten. Diese sind zum Teil extreme Nahrungsspezialisten, auch sind sie als Parasiten von Schädlingen wichtig und liefern einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Überaus interessant und vielfältig sind die Methoden der Wirts-Findung: Die einfachste Methode diejenige, das Ei auf den Wirtskörper zu kleben. Das funktioniert bei Schmetterlingsraupen sehr gut. Der Nachteil liegt darin, dass wenn das Ei zu weit hinten platziert ist, die Raupe dieses zerstören kann. Es kommt auch vor, dass sich die Raupe häutet, auch dann ist das Ei verloren. Eine sichere Methode ist das Einstechen, bei den Schmetterlingsraupen ist das durch deren weiche Haut kein Problem. Bei Parasiten von Käfer-Imagines haben sich echte Spezialisten entwickelt. Es gibt Arten, die eine Zange am Abdomen besitzen. Damit wird der Käfer fixiert und mit dem Legebohrer wird ein Loch zumeist im Bauchbereich gestanzt. Wenn das Gewebe erreicht wurde, wird ein Ei gelegt und das Loch bei einigen Arten verschlossen. Eine andere Gruppe sind wahre Meisterfliegen, sie beunruhigen  einen Käfer, bis dieser die Flügel öffnet, um weg zu fliegen. Diesen Moment nutzt die Fliege und klebt ein Ei unter die Flügeldecken des Wirtes. Eine andere kleine Gattung ist in der Lage, große Mengen Eier zu produzieren. Einige Arten können mehr als tausend Eier einfach im Flug verstreuen. Bemerkenswert ist, dass die besonders kleinen Larven ihren Wirt in bis zu zwei Metern Tiefe im Boden orten und finden können. Die Fehlparasitierungen sind mit großen Verlusten verbunden, aber durch die enorme Menge an gelegten Eiern ist auch diese Art erfolgreich.

Eine kaum erforschte Familie sind die Acroceridae oder Kugelfliegen. Diese Familie ist vor allem in den Tropen beheimatet, nur wenige Arten findet man in Europa. Diese Tiere parasitieren Spinnen,  wie es ihnen gelingt. Eine Netzspinne erfolgreich zu parasitieren, ohne selbst Opfer zu werden, ist weitgehend unbekannt.

Zu guter Letzt eine Familie, die mit großer Sicherheit bereits ausgestorben ist, sind die Braulidae, zu Deutsch die Bienen-Laus. Es sind nur zwei Arten bekannt, beide sind als Sozialparasiten bei der Honigbiene, bei  Hummeln und andere Hymenopteren zu finden. Ich konnte diese Tiere selbst noch beobachten, denn auf nahezu jeder Bienenkönigin sind einige herumgelaufen. Wenn die Königin gefüttert wurde, konnte diese flügellose Fliege mitnaschen. Durch die Varroa-Bekämpfung wurden diese Spezialisten ausgerottet, was ich sehr schade finde, denn diese Lebensgemeinschaft gibt es sicher seit Bestehen der Honigbienen.

In der nächsten Ausgabe kann man noch einmal mehr über Fliegen erfahren.

Autor: Insekten & Co.

Hermann Elsasser

 

PAP 4/2014

Wer braucht schon Fliegen?

Fliegen zählen nach Heuschrecken und Heimchen zu den wichtigsten Futterinsekten, Fruchtfliegen sind im Bereich der Forschung beliebte und einfach zu züchtende Labortiere. Sie sind die am besten erforschten Insekten, deren genetischer Code schon lange entschlüsselt ist. Es gibt eine Unzahl von genetisch veränderten Mutanten. Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, kommt einem das Grauen darüber, was man dieser Art angetan hat. Sie wurde mit den verschiedensten Strahlen und Chemikalien mißhandelt. Als Resultat entstanden daraus wahre „Frankensteinsche Monster“, die einen entarteten Körperbau aufweisen, wie z.B. Beine, die aus dem Kopf wachsen und vieles mehr.

Wir Terrarianer verwenden nicht nur die Drosophila, sondern eine Vielzahl an Dipteren, die meist zur Familie der Musciden gehören. Gerade für Fangschrecken sind Fliegen unverzichtbar, da sie in verschiedenen Größen auftreten: Die Drosophila ist noch ein Winzling, die Stubenfliege erreicht eine mittlere Größe und die „großen“  Fleischfliegen erreichen eine Körperlänge von zwei und mehr Zentimetern. Sie haben alle den Vorteil, dass sie einen ausgeprägten Bewegungsdrang haben und dadurch von den Fangschrecken gut gesehen werden. Eine neuere Art ist die Soldatenfliege Hermetia illucens, sie gehört zu den Stratiomyidae. Über diese Art konnte ich bisher noch keine Erfahrung sammeln, ich werde mir aber eine Zuchtgruppe besorgen, da diese Art für meine Forschungen sehr interessant wäre. Eine „geruchlose“ Zucht wäre zwar möglich, die Tiere benötigen aber eine relativ hohe Temperatur.

Eine Problemfliege in der Haltung von Insekten ist die Buckelfliege. Besonders Arten, die etwas mehr an Feuchtigkeit benötigen, sind Opfer dieser Fliegenart. Diese Fliege hat eine lange Lebensdauer und wird in geringer Stückzahl in Zuchtboxen gehalten. Besonders Schaben sind leichte Opfer. Die Fliege legt ihre Eier in Bereiche der Schabe, die sie nur unter großen Schwierigkeiten reinigen kann. Dann nimmt das Verhängnis unbemerkt seinen Lauf: Die Schaben scheinen anfangs gesund, werden aber im Laufe ihres Lebens langsamer. Bevor sie sterben, verkriechen sie sich und in Folge schlüpft  eine oft erstaunliche Menge an Larven aus dem Körper, um sich irgendwo zu verpuppen. Es gibt verschiedene Versuche, diese Parasiten mit Hilfe von Antagonisten in Schach zu halten. Ich habe selbst bei kleinen Schaben mit dem Mehlkäfer und bei großen Arten mit Zoboba Versuche gemacht. Wie es scheint, kann man mit dieser Methode diese Fliegenart in einem erträglichen Maße halten. Es sind bisher etwa 3000 Arten weltweit und 350 Arten in Mitteleuropa bekannt, aber wenn sich jemand mit der Familie der Phoridae näher beschäftigen würde, wäre die Artenzahl sicher zu verdoppeln. Obwohl die Tiere in der Zucht ausgesprochen mühsam sind, zeigen sie sich als wahre Lebenskünstler. Auch einige Arten von Parasiten sind ähnliche Überlebenskünstler: Als Wirte zählen Spinnen, Ameisen und Bienen. Zu diesen Parasiten zählt u.a. die Faulbrutfliege. Wenn bei einem Bienenvolk Faulbrut bemerkt wird, ist es meist zu spät. Die Fliege ist da schon um einiges schneller als der Imker. Wenn man diese Fliege im Stock findet, ist auch die Faulbrut vorhanden. Neu ist, dass eine Phoridae die Bienen in ihrer Orientierung beeinflussen. Diese Art wurde als Apocephalus borealis identifiziert. Ob dies eine neue Anpassung ist oder ob das Verhalten bisher einfach nur übersehen wurde, ist nicht bekannt. Eine weitere Besonderheit ist die Gräberfliege Conicera tibialis. Sie ernährt sich von toten Tieren aller Art und ist auch in der Lage, in Särge durch feinste Ritzen einzudringen. Wobei sie sich bis zu zwei Meter durch den Boden gräbt. Deshalb ist diese Art auch für die Gerichtsmedizin interessant. Fliegen sind für die Forensische Entomologie besonders wichtig. In den USA gibt es dazu Forschungsprojekte. Langsam kommt das Interesse an dieser Kriminologischen Methode auch zu uns.

Die letzte Meldung aus der Entomologie ist ein neuer Obstschädling: Die Kirschfliege Drosophila suzucki. Sie wurde wahrscheinlich durch Obstimporte eingeschleppt. Die meisten Fruchtfliegen legen ihre Eier in sich zersetzendes Obst. Nicht so die Kirschfliege: Sie sticht frisches Obst an, um ihre  Eier abzulegen. Das bringt die Obstbauern in arge Bedrängnis, da eine chemische Bekämpfung nicht möglich ist. Das Obst wäre in diesem Fall unverkäuflich. Eine Möglichkeit ist die Beeinflussung oder Manipulation der Co- Rezeptorgene, welche verantwortlich für das Finden der Früchte sind. Bei anderen Fruchtfliegen hat es anscheinend auch funktioniert. Dieselbe Strategie hat man sich auch für Stechmücken als eine Bekämpfungs- Methode überlegt.

Eine Besonderheit möchte ich noch erwähnen: Es gibt einige Fliegenarten, die eine Art Milchdrüse besitzen. Ein Beispiel ist die Tsetse-Fliege Glossina morsitans. Das Weibchen hat bis zu drei Larven im Uterus, die eine Art Milch aus Drüsen trinken. Wenn es dann zur Geburt der Larve kommt, ist diese voll entwickelt und kann sich unmittelbar danach verpuppen. Diese Strategie der Vermehrung nutzt die Sicherheit bei der Entwicklung. Dafür ist die Stückzahl gering.

Das war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Reich der Fliegen. Ich könnte viel Interessantes und Merkwürdiges berichten, dies sollte nur dem Einstig dienen und den Anreiz bilden, sich selbst über dieses Thema zu informieren.

Ich möchte noch auf die Überschrift „Wer Braucht schon Fliegen“ zurückkommen: Ohne die unermüdliche Arbeit der Fliegen würde unser Lebensraum mit pflanzlichen und tierischen Abfällen so „vermüllt“ sein, dass unsere Welt nicht lebenswert wäre.

Ich möchte mich noch bei Frau Henriette Hofmann für die Durchsicht und Korrektur meiner Artikel bedanken.

Autor: Insekten & Co.

Hermann Elsasser

 

PAP 1/2015

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