Die große Welt der kleinen Tiere

Die Käfer (Coleoptera) sind mit etwa 350 000 Arten die artenreichste Ordnung unter den Insekten. Sie werden in 179 Familien eingeordnet, wobei jedes Jahr hunderte Arten neu entdeckt werden, besonders bodenlebende Arten wie die der Kurzflügler Staphylinidae, die auch in Österreich vorkommen. Käfer sind außer in der Antarktis weltweit verbreitet.

 

Der größte zurzeit bekannte Käfer ist der Titanus giganteus. Es handelt sich um einen Bockkäfer, der in Brasilien beheimatet ist.

Im Gegensatz dazu sind die kleinsten Käfer etwa 0,5 mm groß. Von diesen Winzlingen gibt es viele, die im Bodenstreu oder in Pilzen leben. Auch in Moospolstern kann man fündig werden. Ich bin überzeugt, dass wir sogar vor unserer Haustüre neue Arten finden können. Ein Tipp für Interessierte wäre ein Besuch des Insektensaals im Naturhistorischen Museum in Wien, wo sich zwei Mikroskope befinden, durch welche man kleinste Käfer bestaunen kann. An diesem Ort ist es möglich, die beeindruckende Schönheit dieser winzigen Tiere  zu bewundern.

Natürlich gibt es noch weitere bemerkenswerte Käfer, wie z.B. den Bombardierkäfer Brachininae, der zu einer Unterfamilie der Laufkäfer zählt, die durch etwa 500 Arten vertreten ist. Diese Tiere besitzen ein effektives Wehrverhalten: Sie setzen sich bei Gefahr durch das Versprühen eines Gemischs von zwei Chemikalien und Enzymen zur Wehr. Dieses Sekret geben sie mit einem lauten Knall ab. Der Sprühnebel dieser Substanz ist bis zu 100 °Celsius heiß und ätzend. Das Prinzip dieses Düsensystem  wird inzwischen in der Medizin als Vorlage für die Aerosol - Verdampfung verwendet. Eine weitere Art mit einem außergewöhnlichen Verhalten bildet der „Totengräber“ der Gattung Necrophorus, der ein Aaskäfer ist. Dieser Käfer gräbt kleinere Säugetiere ein. Nachdem die Weibchen ihre Eier gelegt haben, bewachen sie diese. Wenn nun die Larven schlüpfen, können diese nicht selbständig fressen, deshalb zerkauen die Eltern das Aas und in einem vorverdauten und zerkleinerten Zustand wird das Futter von den Larven gefressen. Erst ab dem zweiten Larvenstadium sind die Jungtiere zur selbständigen Nahrungsaufnahme in der Lage. Dieses Soziale Verhalten ist für einen Käfer schon etwas Ungewöhnliches.

 

Erwähnenswert ist der asiatische Marienkäfer Harmonia axyridis, der zur Art der Coccinellidae zählt. Er  wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Blattläusen in Glashäusern eingesetzt. Das natürliche Verbreitungsgebiet ist China, Korea und Japan. Innerhalb weniger Jahre hat der Käfer durch die Hilfe des Menschen Nordamerika und Europa fast vollständig besiedelt. Man befürchtet, dass diese Art die einheimischen Marienkäfer verdrängt. Ein anders Problem ist, dass diese Tiere ein intensiv schmeckendes Wehrsekret besitzen. Da die Tiere gerne auf Weintrauben sitzen, ist die Gefahr gegeben, dass beim Pressen einige Tier mitzerquetscht werden, was den Geschmack des Weines stark beeinflußt. Zurzeit sind keine natürlichen Feinde bekannt, aber es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis ein natürlicher Feind auf den Geschmack kommen wird.

 

Der asiatische Laubholzbockkäfer  Anoplophora glabripennis ist in ganz Asien verbreitet und im Sommer häufig zu finden. Wahrscheinlich wurde der Käfer mit Holzpaletten nach Amerika und Europa eingeschleppt und wird seit einigen Jahren als Waldzerstörer einge-stuft. Interessant finde ich, dass diese Art in Japan dieselben Baumarten wie in Europa befällt und dennoch von einem Waldsterben nichts zu bemerken ist.

Ein weiterer Einwanderer ist der Kartoffelkäfer  Leptinotarsa decemlineata, der zu einer Art zählt, die sogar für die Propaganda ausgenutzt wurde. Die Heimat des Käfers ist Colorado, USA. Die ursprüngliche Futterpflanze war Solanum rostratum,  ein Nachtschattengewächs. Die Kartoffel war ausschließlich bei den Inkas in Verwend-ung, also in Südamerika, der Käfer und die Kartoffel hatten also keine Berührung. Die Kartoffel wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert  nach Europa gebracht und wurde danach zu einer wertvollen Zierpflanze in den Schloßgärten ganz Europas. Man hat aber bald erkannt, dass die Kartoffel essbar und gut zu lagern ist, deshalb wurden diese Knollen von den Auswandernden  nach Amerika gebracht. Als die Kartoffel nach Colorado kam, begann eine weltweite Ausbreitung. Die National-sozialisten und das DDR - Regime gaben den Amerikanern die Schuld für den Abwurf von Käfern von Flugzeugen aus. Die ersten Tiere wurden aber schon 1877 gefunden, 1887 wurden die Käfer in fast jedem Hafen gefunden.

Bei den Maikäfern unterscheidet man zwei Arten: den Feldmaikäfer Melolontha melolontha und den Waldmaikäfer Melolontha hippocastani. Die Tiere haben einen etwa 5 - Jahres - Zyklus, das heißt, dass sie alle 5 Jahre gehäuft auftreten. Über  dieses massenhafte Auftreten gab es bereits im Mittelalter Berichte. 1478/79 gab es eine Massenvermährung in Bern in der Schweiz. Es gab eine von der Kirche veranlasste Gerichtsverhandlung mit dem Schluss, dass der Käfer verurteilt und verdammt wurde. Auch in Österreich gab es ein solches Massenauftreten, dass sogar meine Großeltern für das Maikäfer - Sammeln von der Schule freigestellt wurden. Anfangs wurden die Käfer an Hühner verfüttert, aber nach kurzer Zeit mussten die Käfer verbrannt werden. Die Kinder sammelten täglich mehrere Kilogramm und wenn man weiß, dass ein Käfer 1 Gramm wiegt, kann man sich die gewaltigen Mengen, die gesammelt werden mussten, vorstellen. Nach der Entdeckung des DDT wurde dieses Gift in solchen Mengen eingesetzt, dass sich viele der Anwender selbst vergiftet hatten. Heute tritt, obwohl nur vereinzelt, lokal eine größere Anzahl von Käfern auf, die jedoch vollkommen unkritisch mit nicht weniger gefährlichen Giften bekämpft wird.

Zu guter Letzt soll der Maiswurzelbohrer Diabrotica virgifera, ein aus den USA eingeschleppter Käfer erwähnt werden, der die Maispflanze befällt. Eine Bekämpfung durch Fruchtfolge wäre möglich, aber die EU möchte uns den Gen - Mais in ihrer eigenen demokratischen Weise aufzwingen, obwohl wie durch eine Volksbefragung bekannt, die Österreicher auf diesen Segen verzichten möchten. Die Folgen wären katastrophal: Einmal freigesetzt gibt es kein Zurück, der Pollen hält sich nicht an Grundstücksgrenzen und verbreitet sich.

Mit jeder eingeführten Pflanze werden auch Tiere unab-sichtlich eingeschleppt, dies ist nicht zu verhindern. Der internationale Warenverkehr mit dem Container - System ist nicht zu kontrollieren ich möchte mit einem Zitat aus Jurassic Park II meinen Artikel beenden: „ Die Natur findet immer einen Weg“. 

In der nächsten Ausgabe werde ich auf Käfer im Terrarium eingehen.

Autor:  

Insekten & Co.

Elsasser Hermann

 

PAP 2/2014

 

Die Käferhaltung und Zucht

Die Zucht und Haltung von Käfern besonders Hirschkäfern hat in Japan seinen Anfang genommen. In Japan hat sich die Käferzucht zu einem gigantischen Wirtschaftszweig entwickelt. Es gibt Betriebe mit 30 bis 40 Mitarbeitern sowie Unternehmen, die sich nur auf Kynschi (mit Pilzen angereicherte Holzspäne)  spezialisiert haben. Langsam beginnt man sich auch in Europa dafür zu interessieren. In Europa werden hauptsächlich  Rosenkäfer Cetonidae gezüchtet, einige Spezialisten beschäftigen sich mit Nashornkäfern. Die Rosenkäfer haben eine lange Entwicklungszeit von etwa 4 bis 14 Monaten, wobei kleine Arten sich schnell entwickeln. Je größer der Käfer desto länger ist die Entwicklungszeit. Große Arten der Nashornkäfer können für ihre vollständige Reifung schon 24 bis 36 Monate benötigen, was ihren hohen Preis rechtfertigt.

Dieser Artikel ist für Personen gedacht, die sich für die Haltung von Käfern interessieren, aber noch keine Erfahrungen mit dieser Materie haben. Vom Rosenkäfer, der Cetoniinae, gibt es etwa 3000 Arten. In Zucht befinden sich etwas mehr als 100 Arten. Die Rosenkäfer sind durchwegs tagaktive und attraktive Tiere. Es gibt für jeden Käferzüchter oder für jeden, der es werden möchte, geeignete Arten. Es gibt kleine Arten, die nur ein kleines Terrarium brauchen, mit einer Grundfläche von 40 x 40 cm. Wer genügend Platz hat, kann größere Arten halten, dafür sind auch Aquarien sehr gut geeignet. Für Anfänger gibt es einige Arten, die sich rasch entwickeln, das heißt 6 bis 8 Monate vom Ei zum Imago benötigen. Weiters finden sich Arten, die nach 12 bis 18 Monaten vollständig gereift sind. Auch die Futterzufuhr im  Larvenstadium wird bei einigen Arten fast zur Wissenschaft. Bei den Größeren ist es auch gut, wenn man die Larven einzeln hält, da die meisten Arten bei Nahrungsmangel zu Kannibalismus neigen. Bei diesen Arten ist ein Zufüttern von Eiweiß in Form von Fischfutter, Milchpulver oder Ähnlichem ratsam, aber nur in kleinen Mengen, da das Futter rasch zu schimmeln beginnt. Als Futter für Imagines eignen sich verschiedene Arten von Obst und Käfer-Jellys. Hilfreich ist auch, wenn man Honig und Pollen zufüttert (z.B. in Form von Löwenzahnblüten o.Ä.), da die enthaltenen Nährstoffe gut für die Entwicklung sind.

Die Einrichtung der Terrarien ist bei den meisten Rosenkäfern ähnlich. Als Bodengrund wird eine Schicht aus verrottendem Buchen-Eichen-Substrat verwendet. Das Material soll fein gehäckselt sein und mit weiß - faulem Holz etwa 2:1 gemischt werden. Einige größere Holzstücke als Sitzplatz für die Tiere und darüber eine Lampe wären genau richtig, denn Rosenkäfer haben es gerne warm:  25°C sind die richtige Temperatur für sie.

Nashornkäfer sind von ihrer Entwicklung her sehr langsam, zwei Jahre für die vollständige Reifung sind üblich. Einige Arten brauchen auch drei Jahre, da kann viel passieren, was den hohen Preis rechtfertigt. Die Chalkosoma sind in vielen Ländern schon sehr attraktiv und inzwischen ist die Zucht auch möglich. Ein Sonderfall ist die Golofa, diese Arten sind noch den Spezialisten vorbehalten. Die Imagines benötigen Bambus, den sie anknabbern, um an die Säfte zu kommen.

Eine besonders beliebte Insektengruppe sind Hirschkäfer. Wie im letzten Artikel bereits erwähnt hat ihre Verbreitung in Japan eine für uns unvorstellbare Entwicklung genommen. Es werden Käfer-Messen von bis zu 10 000 Menschen besucht. Angeboten und thematisiert werden nur Hirschkäfer und alles, was man für ihre Zucht und Haltung benötigt. Meine persönliche Meinung dazu ist aber, dass Hirschkäfer etwas für Spezialisten sind, da die Tiere oft wochenlang nicht zu sehen sind. Sie graben sich ein, was aber nicht heißt, dass sie nicht außerordentlich schön und interessant sind.

Eine selten angebotene Käfer- Familie sind Sandlaufkäfer. Diese als Jäger lebenden Tiere sind das Interessanteste, was ich kenne. Bei diesen Tieren ist einfach immer Bewegung zu beobachten, sie laufen, fliegen und jagen mit Leidenschaft. Eigentlich ein ideales Schauinsekt für Zoos. Sie sind recht einfach zu halten und die Vermehrung ist auch leicht möglich. Die Tiere brauchen etwa 20 cm lehmigen Boden, damit sich die Larven ihre Höhlen graben können. Da sie Wärme liebende Tiere sind, ist etwa die Hälfte des Terrariums mit einer Bodenheizung auszustatten. Ähnliche Ansprüche haben auch Wüstenlaufkäfer wie die Anthia. Auch diese Art ist auf tierische Kost angewiesen. Was für die Terrarien-Haltung spricht, ist, dass sie bis zu 3 Jahre leben.

Der Sagra-Käfer ist ein metallisch- glänzender Käfer, der tagaktiv und dadurch immer zu sehen ist. Dieser wird manchmal angeboten. Die Haltung ist einfach, denn die Tiere fressen Obst und Süßkartoffel. Bei den Larven wird es schwierig, denn sie bohren sich durch das Holz von Lianen. Mir ist nicht bekannt, ob jemals eine Nachzucht gelungen ist.

Zu guter letzt möchte ich noch den „heiligen Pillendreher“ aus Ägypten erwähnen. Es gab schon in der Vergangenheit viele Zuchtversuche, aber eine Erhaltungszucht  ist mir bis heute nicht bekannt. Eine englische Firma hat Unsummen investiert, um mit dem Kot von Kamelen bzw. Eseln eine Zucht aufzubauen, was aber nicht gelungen ist.

Das war nur eine unvollständige Auflistung von Käfern, die für die Terraristik interessant sind. Mit Sicherheit gibt es noch viele, die in Zukunft für die Haltung noch entdeckt werden. Wenn sich jemand entschließt, Käfer zu halten, dann sollte man nicht den Fehler machen und nur die großen Arten wählen, man sollte besser mit kleineren sich schnell entwickelten Arten beginnen. Nach etwas Erfahrung mit dem Umgang in der Larvenhaltung wird sich der Erfolg einstellen. Eine Steigerung ist dann immer noch möglich. Übrigens ich gebe zu, dass auch bei mir trotz jahrelanger Beschäftigung  mit den Tieren immer etwas nicht nach Plan gelingt.

Autor: Insekten & Co.

Hermann Elsasser

 

PAP 3/2014

Rhamphorrhina bertolonii (Lucas, 1879)

Phalacrognathus muelleri (MacLeay, 1885)

Cyclommatus metallifer (Boisduval, 1835)

Cicindela chinensis Degeer

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