Bitte nicht füttern!

von Mag. Juliane Thurner – Direktorin Zoo Linz

 

„Füttern verboten. Sie schädigen das Leben unserer Tiere.“, liest man an den Gehegen fast aller Zoos. Doch gerade im Zoo möchten die großen und kleinen Besucher die Tiere hautnah erleben und stecken ihnen allerlei Fressbares zu. Dass viele Lebensmittel, die von uns Menschen als gut befunden werden, für die Tiere das Todesurteil bedeuten können, ist leider nur oft schwer zu verstehen.

 

„Bitte nicht füttern!“ Diesen Satz kann man in allen Zoos fast an jedem Gehege lesen. Und doch wird er viel zu häufig ignoriert. In fast allen zoologischen Gärten ist das Füttern der Zootiere für Besucher deshalb komplett verboten. Nur wenige bieten noch Tierfutter an, welches Besucher kaufen und an einige bestimmte Tierarten verfüttern dürfen. Doch dieses Zugeständnis an die Besucher wird leider häufig fehlinterpretiert oder gar umgangen, indem auch andere Tiere gefüttert werden.

 

„Die Tierpfleger wollen doch nur selbst füttern!“ und „Die Futtersackerl zum Kaufen sind doch nur Geldmacherei!“ hört man oft. Doch das Fütterungsverbot im Zoo ist keine bewusste „Gemeinheit“ gegenüber den Besuchern, sondern unkontrolliertes Füttern schadet den Tieren!

 

Bei der Antwort, dass ein kleines Stückchen Schokolade doch nicht so schlimm sein könne, berücksichtigen viele Zoobesucher nicht, dass sie nicht alleine sind, die so etwas füttern. Ein kleines Stückchen Schokolade summiert sich somit gleich mal auf etliche Tafeln.

 

Hinzu kommt, dass viele für den Menschen genießbare Lebensmittel für bestimmte Tiere giftig sind. Dies gilt zum Beispiel gerade für die bereits erwähnte Schokolade, bzw. den darin enthaltenen Kakao, der für Hunde und Katzen das Todesurteil bedeuten kann. Viele Tiere sind Nahrungsspezialisten und vertragen nur spezielles, auf die jeweilige Tierart abgestimmtes Futter.

 

Füttert man Esel oder Wiederkäuer wie Ziegen, Schafe und Antilopen mit dem vom Menschen als „gutes Futter“ betrachtetem Brot, kann dies sehr schnell zur Pansenacidose führen. Diese Übersäuerung des Magens, die durch schnellverdauliche stärkehaltige Lebensmittel wie Brot, Kuchen, Zucker etc. entsteht, führt zu starken Verdauungsproblemen und schlimmsten Falls zum Tod des Tieres. Auch schmerzhafte Koliken (schwere Bauchkrämpfe) und Hufentzündungen kommen bei Pferd, Esel und Co. dadurch leider immer wieder vor.

 

Fressen Affen nur Bananen?

Gerade Bananen lassen Affen verfetten und schädigen deren Herz und Leber. Diesen Effekt haben auch zu viele Erdnüsse bei Papageien. Hinzu kommt, dass auch die Größe der Lebensmittel eine entscheidende Rolle bei der richtigen Fütterung der unterschiedlichen Tierarten spielt. Zu großes Futter kann zur Verstopfung der Speiseröhre führen, zu kleines Futter hingegen ist gerade für Wiederkäuer, die viel Rauhfaseranteil im Futter brauchen problematisch und führt zu Verdauungsproblemen.

 

Auch Allesfresser vertragen nicht alles

Auch der Mensch zählt biologisch gesehen zu den Allesfressern. Doch würden wir schimmelige Lebensmittel essen wollen? Genau das wird aber den Zootieren häufig von Besuchern angeboten. Die darin enthaltenen Gifte sind jedoch für alle Tiere, genauso wie für Menschen, lebensgefährlich!

 

Bettelnde Tiere und niedliche Jungtiere sind geradezu prädestiniert, um gefüttert zu werden. Doch auch die meisten Kinder mögen lieber Süßigkeiten statt Gemüse und Tiere lernen sehr schnell, dass es von den Besuchern köstliche Leckereien gibt, wenn sie betteln. Füttern bestärkt sie nur noch in diesem Verhalten. Außerdem entstehen durch Futterneid meist innerartliche Aggressionen, es gibt Beißereien und folglich Verletzungen. Oft werden auch Tiere deshalb aus ihrer Gruppe verdrängt und ausgeschlossen.

 

Tiere richtig zu pflegen muss gelernt sein

Um Aggressionen sowie Stress zu vermeiden und für jede Tierart eine ausgewogene Ernährung  gewährleisten zu können, benötigen Tierpfleger eine lange Ausbildung. In dieser Zeit lernen sie, welche Kost für die verschiedenen Zoobewohner am verträglichsten und somit optimal ist. Durch Kontrolle und Beobachtung der Fressgewohnheiten seiner Schützlinge erfährt der Tierpfleger außerdem sehr viel über deren Allgemeinzustand.

 

Natürlich wollen Zoos den Besuchern den hautnahen Kontakt  mit den Zoobewohnern über das Füttern nicht vollkommen verbieten. Dieser ist ganz besonders für Kinder wichtig und wünschenswert, um Berührungsängste verlieren zu können und Erfahrungen im Umgang mit Tieren zu sammeln. Das im Zoo gekaufte Futter ist auf die jeweiligen Umstände bzw. Tierarten abgestimmt und besteht meist nur aus getrocknetem Heu. Diese kalorienreduzierte Variante des Fütterns wird von den Zootieren besser vertragen und verhindert eine übermäßige Gewichtszunahme.

 

Für welche Tiere dieses Futter erlaubt und geeignet ist, muss trotzdem beachtet werden.

 

PAP: 2/2012

  • (Bettelnder Esel) „Gib mir was, ich habe Hunger.“ Bettelnde Tiere im Zoo haben selten Hunger, sondern schlichtweg gelernt, dass sie von den Besuchern Leckereien bekommen können.

  • (Weißbüschelaffe mit Schlecker) Für Menschen wohlschmeckende Lebensmittel richten bei den Tieren, die meist Nahrungs-spezialisten sind, oft gravierende Schäden an.

  • (Kind mit Futtersackerl) Das im Zoo zu kaufende Futtersackerl ist ein Kompromiss, der die Tiere vor unverträglichem Futter und übermäßiger Gewichtszunahme schützt und vor allem Kinder trotzdem hautnahe Erfahrungen mit Tieren sammeln lässt. Für welche Tiere dieses Futter erlaubt und geeignet ist, muss trotzdem beachtet werden.

  • (Erdmännchen mit Fleisch) „Das schmeckt uns und ist gesund.“ Jedes Tier braucht anderes Futter, in unterschiedlicher Menge und Größe. Eine richtige Fütterung durch die Tierpfleger hält die Tiere gesund und munter.

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